FN Trainerschein C Alternative

Warum ich mich als Trainerin gegen den FN Trainerschein entschieden habe

Ich wollte schon als Jugendliche Trainerin werden. Also habe ich FN Abzeichen gesammelt, viele Kurse und Lehrgänge besucht, kostenlos Unterricht gegeben und alle Pferde geritten, die ich kriegen konnte – was man halt so macht, wenn man die Laufbahn der FN Trainerlizenzen einschlägt.

Für mich war damals klar: Das ist der Weg, um eine gute Trainerin zu werden. Ich wollte eine fundierte Ausbildung. Nicht nur, um etwas „vorweisen“ zu können, sondern um qualifizierten Unterricht geben zu können. Nicht auf der Grundlage, dass ich vielleicht etwas besser reiten konnte als der Durchschnitt – sondern weil ich echte Expertise habe.

Als ich schließlich alle Voraussetzungen erfüllt hatte und mir den Trainerschein auch hätte leisten können, habe ich mir genauer angeschaut, was ich dort eigentlich lernen würde.

Und das war – ziemlich ernüchternd.

Nicht, weil ich die Inhalte schlecht fand. Sondern wegen der Inhalte, die fehlten. Das, was ich vor allem lernen wollte, war schlicht nicht im Lehrplan enthalten.

Was mir der FN Trainer C nicht hätte geben können

Das zentrale Thema im FN Trainerschein ist die Unterrichtserteilung im Reitsport – also die pädagogische Qualifikation, Reitunterricht zu geben – auf geeigneten Lehrpferden. Aber nicht, wie man diese Lehrpferde ausbildet.

Und genau das war der Punkt, der mir – rückblickend – geholfen hat, den „Sinn“ des Trainerscheins zu verstehen. Denn damals habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden, wofür er eigentlich gedacht ist.

Bevor du weiterliest, lass mich eines betonen: Ich will den FN Trainerschein hier nicht schlechtreden. Ich will ihn einordnen.

Ich wollte ja nicht einfach nur Unterricht geben. Und ich wollte auch nicht das, was ich bereits beherrschte, einfach weitergeben. Ich wollte verstehen, warum ich im Training – im Sattel und am Boden – tue, was ich tue. Und fast noch wichtiger: ob das, was ich tue, überhaupt richtig ist.

Was nützen mir erweiterte pädagogische Kompetenzen, wenn ich etwas unterrichte, das ich selbst nicht vollständig verstehe – und bei dem ich teilweise sogar Zweifel habe, ob es im Sinne des Pferdes ist?

Genau das war mein innerer Konflikt.

Und so habe ich mich damals schweren Herzens gegen den Trainerschein entschieden.

Mir hat wirklich das Herz geblutet. Zum einen, weil es sich anfühlte, als würde ein Traum zerplatzen. Zum anderen, weil ich keine echte Alternative kannte. Die FN ist schließlich DER Pferdesportverband – und die Trainerlizenzen entsprechend angesehen.

Die Suche nach einer guten Trainerausbildung

Was danach kam, kennst du vielleicht auch: Ich war auf der Suche.

Ich war weiterhin auf vielen Kursen, habe mir unterschiedlichste Trainer:innen, Methoden und Reitweisen angesehen – immer mit der Hoffnung, vielleicht finde ich hier endlich das Puzzleteil, das alles zusammenfügt.

Aber das passierte nicht. Ich folgte Anweisungen, probierte verschiedene Systeme aus und entschied oft eher nach Bauchgefühl als nach echtem Wissen, was „richtig“ war. Das echte Verstehen blieb aus.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl:

Du sammelst Wissen, lernst neue Ansätze kennen, hörst dir unterschiedlichste Meinungen an – und trotzdem entsteht kein klarer Leitfaden. Keine übergeordnete Bewertungsgrundlage. Kein Kriterium, das dir wirklich Sicherheit gibt.

Und irgendwann merkst du vielleicht sogar: Je mehr du lernst, desto unsicherer wirst du.

Genau an diesem Punkt war ich damals.

Irgendwann habe ich beschlossen: Wenn es mir keiner erklären kann, dann muss ich es eben selbst lernen. So bin ich in einer Ausbildung für manuelle Therapie am Pferd gelandet. Nicht, weil ich Therapeutin werden wollte, sondern weil ich die Zusammenhänge im Pferd verstehen wollte – um auf dieser Grundlage beurteilen zu können, was gutes Training wirklich ausmacht.

Ein Deep Dive in Anatomie, Biomechanik und Pathologie erschien mir dafür sinnvoll.

Und das war es auch. Ich begann, erste Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Und ich konnte diese Erkenntnisse auf das Training übertragen.

Was Training und Therapie verbindet

Rückblickend verstehe ich heute, warum mich die Therapieausbildung so angezogen hat: Es war der Fokus darauf, Pferden nachhaltig zu besserer Gesundheit zu verhelfen. Therapeut:innen wollen Pferde gesünder machen.

Und genau das wollte ich als Trainerin damals auch. Nicht einfach Lektionen reiten oder Pferde kontrollieren. Das konnte ich bereits. Ich war mir nur nicht sicher, ob das alles wirklich im Sinne des Pferdes war. In der Therapieausbildung habe ich zwar wenig über Training gelernt – aber ich habe verstanden, was der eigentliche Schlüssel von „richtigem“ Training ist.

Denn im Grunde ist es derselbe Ansatz, den auch Therapeut:innen verfolgen: die Entwicklung des Pferdes beobachten, bewerten und einordnen. Und auf dieser Grundlage die passenden Maßnahmen ergreifen. Nur dass es im Training eben nicht um manuelle Techniken geht, sondern um gezielte Trainingsgestaltung.

Was gutes Pferdetraining wirklich ausmacht

Von da an habe ich mir in Bezug auf Pferdetraining – vor allem dann wenn ich mal wieder unsicher war – diese Frage gestellt:

Zahlt das, was ich hier tue, auf die Gesundheit dieses Pferdes ein – oder nicht? Denn das ist es, was wirklich zählt. Das heißt natürlich nicht, dass wir dabei nicht Spaß haben oder auf bestimmte persönliche Ziele hinarbeiten! Aber eben niemals auf Kosten der Gesundheit des Pferdes.

Der Maßstab für „gutes“ Training ist nicht eine Methode, eine Reitweise oder ein System. Sondern das Pferd selbst – seine körperliche und mentale Gesundheit. Wenn man die stets an erste Stelle stellt und sie vor allem auch korrekt bewerten kann, dann ist man zwangsläufig auf dem richtigen Weg.

In den FN Trainerlizenzen geht es vor allem darum, Menschen an den Reitsport heranzuführen, darin zu unterrichten und weiterführend auf die Teilnahme an Turnieren vorzubereiten. Wenn man im organisierten Reitsport tätig sein möchte, also z. B. in einem Reitverein unterrichten will, kann die FN Trainerlizenz sogar eine nötige, formale Voraussetzung sein – so wie im organisierten Sport anderer Sportarten auch. Im Fokus liegt also der (Turnier)sport.

Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, weiß ich ziemlich genau, was ich mir damals als Alternative gewünscht hätte: eine Trainerausbildung, deren Fokus auf dem Pferd liegt – seiner Gesundheit, seiner Lebensqualität und Lebensfreude. Das heißt Expertise in Anatomie, Biomechanik, Pathologie, Trainingslehre und nicht zuletzt auch Haltung & Fütterung. Denn das ist die Grundlage um zu verstehen warum man etwas tut – und um überprüfen zu können, ob es dem Pferd auch wirklich gut tut. Letztlich zählt schließlich die Wirkung, nicht die Absicht.

Heute, etwa 15 Jahre später, darf ich gemeinsam mit meiner großartigen Kollegin genau die Ausbildung, die ich damals so dringend gesucht habe, in die dritte Runde führen – und ich freue mich sehr darauf!

Liebe Grüße,
Christine

P. S.: Hier findest du alle Infos zur Ausbildung zum Pferdegesundheitstrainer

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